Profilneurose 2018

Was am Rennradfahren geil ist, und warum ich Mountainbiker bleibe

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Nach dem großen Frust zum ausklingenden Jahr 2017 habe ich mich zu Weihnachten selbst beschenkt, und mir im Canyon Sale ein Einsteiger-Rennrad gekauft. Ich hatte schon immer damit geliebäugelt und die N+1 – Regel kann und darf man natürlich auch nicht einfach ignorieren. Endgültiger Auslöser war dann, dass ich mein Hobby um einen neuen Aspekt erweitern wollte, neue Reize setzen und aus mancher Pflicht wieder eine Kür machen wollte.

Im Winter bin ich auch schon früher mit dem Mountainbike oft längere Passagen auf der Strasse gefahren, einfach weil ich keine Lust auf die totale Fango-Packung hatte. Die Zeit die das Hobby benötigt wird durch nachträgliches Waschen und Pflegen eines MTBs mit etlichen beweglichen Teilen nicht kürzer. Und ein Schisser bin ich nebenbei auch, ich bin einfach zu oft schon auf nassen Wurzeln oder Steinen weggeschlittert, und bei knapp über Null grad im Wald rumliegen ist auch eher wenig spaßig.

Was mich ebenso am Rennrad reizt ist die Möglichkeit einfach weitere Strecken zu fahren, und Ziele ansteuern zu können die mit dem Mountainbike realistisch gesehen aus der Reichweite liegen (auch wenn der Kay seine Grand Fondos und Schlimmeres tapfer mit dem MTB macht). Im Frühjahr will in unbedingt mal an den Rhein, und rüber nach Holland. Die großen Talsperren im Sauerland scheinen auch erreichbar, wenn die zu erwartenden Höhenmeter geschafft werden – ich habe mich noch nicht getraut das mal zu planen.

Und, wie isses?

Meine erste Fahrt mit dem neuen Rad war auch direkt meine erste Fahrt mit einem Rennrad überhaupt, ich habe vorher nie auf einem gesessen, und das Fahrgefühl war dementsprechend ungewohnt. Der dünne Lenker, das leichte Rad und die direkte Reaktion auf jede Unebenheit. Sobald man einmal rollt, kann man sich das Lächeln aber nicht verkneifen, die Geschwindigkeit und Leichtigkeit mit der man über (guten) Asphalt gleitet ist schon beeindruckend. Man verfällt auch nach wenigen Kilometern schon dieser Sucht, und trampelt auch auf der Graden oder bei moderatem Gefälle, wo man mit dem Mountainbike hat rollen lassen.

Irgendwann kam auch die erste ordentliche Steigung und ich dachte noch „Ach das wird ein Klacks, die Rennradler fahren ja nicht umsonst immer in einem Megatempo die Berge hoch“. Der Grund ist aber wohl eher nicht, dass es so wenig anstrengend wäre, sondern einfach jener, dass die kleinste Übersetzung immer noch so groß ist, dass man gar nicht im „Scheißegal-Gang“ den Berg hoch schleichen kann, sondern einem nichts anderes übrig bleibt als dran zu bleiben. Ich war nicht schlecht am Berg (vergleichsweise) aber mit dem Rennrad ist das nochmal eine andere Liga. Bevor ich mich an die ganz fiesen Genossen der Umgebung wage muss ich dringend mehr Watt auf’s Pedal kriegen.

Und jetzt, Lycra-Mafia?

Rennradfahren macht Bock, keine Frage, aber es ist nicht vergleichbar mit einer Mountainbike-Tour durch Wald und Wiesen. Auf lange Sicht kann ich gerne auf Autos in meiner Nähe verzichten und die magische Ruhe der Natur am frühen Morgen kann keine Landstraße ausgleichen, so schön sie auch sein mag.

Und Trails – die kann man nicht ersetzen. Ein wenig Adrenalin muss schon sein, und das sollte im Idealfall nicht daher kommen, dass man befürchten muss von Mutti beim Linksabbiegen übersehen zu werden.

 

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2 Bemerkungen

  1. Ralph Welz sagt

    Lustig, bei mir ist es gerade andersrum 🙂 Wenn man aber keine Religion draus macht, können sich MTB und Rennvelo sehr gut ergänzen (kann man deinem Beitrag ja auch entnehmen).

    Dass mit den Trails und der ruhigen Natur ist natürlich ein Argument, dem niemand widersprechen kann.

    Aber fahre mal den ersten ‚richtigen‘ Pass mit dem Rennrad, da kommen dann auch besondere Glückshormone in Wallung, von deren Existenz man gar nicht wusste 🙂 Ansonsten ist der Renner natürlich eher zum Kilometerbolzen prädestiniert, hängt dann von der Umgebung ab, wieviel Naturfeeling sich damit verknüpfen lässt.

    Autoverkehr wird aber zunehmend mehr zur Belastung, ich fahre schon seit ich denken kann Rennrad und mir kommt es so vor, dass die Autofahrer immer rücksichtsloser werden (was dann den Fahrspaß deutlich trübt) 🙁 Kann am Alter liegen oder die Ellbogengesellschaft nimmt immer mehr überhand. I don’t know, aber das Hoch- und Abfahren meines Hausbergs (Feldberg im Taunus) hat früher definitiv mehr Spaß gemacht (und das liegt leider nicht nur am Alter 🙁 ).
    Bin daher immer öfter mit dem Crosser unterwegs, sozusagen die Synthese aus MTB und Rennrad 🙂

    1. Micha sagt

      Danke für deinen Kommentar. Eine Religion sollte man generell nie aus solchen Dingen machen, dann hat man generell mehr Spaß an allem 😉
      Ich persönlich habe bei den ersten Kilometern auf dem Renner bereits die SUV-Rentner als meine besonderen Freunde ausgemacht. Koordinationsfähigkeit und Fahrzeuggröße passen da leider nicht immer zusammen.
      Und das mit den Glückshormonen am Ende des Anstiegs kenne ich auch vom MTB, das werde ich sicherlich bald mal mit dem RR nachfühlen.

      Viele Grüße!

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